Aufträge,Umsätze und Auslastung entwickeln sich schwächer als im Vorjahr – Handwerk BW fordert bessere Rahmenbedingungen für Investitionen.
Die erhoffte Frühjahrsbelebung ist im baden-württembergischen Handwerk ausgeblieben. Aufträge,Umsätze und Auslastung entwickeln sich deutlich schwächer als im Vorjahr. Besonders ungewöhnlich: Im zweiten Quartal meldeten mehr Betriebe sinkende als steigende Auftragseingänge. Für Handwerk BW ist das ein erneutes Warnsignal.
„Wenn selbst das Frühjahr als klassische Belebungsphase ausbleibt,zeigt das,wie nachhaltig die allgemeine Wirtschaftskrise mittlerweile auch das Handwerk tangiert“,sagt Rainer Reichhold,Präsident von Handwerk BW. „Viele internationale Entwicklungen können wir nicht beeinflussen. Umso wichtiger wäre es,dass Bund und Land endlich dort handeln,wo sie etwas bewirken können – mit weniger Bürokratie,Entlastung bei den Kosten und spürbaren Investitionen in die Infrastruktur.“
Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt ein eingetrübtes Bild: Zwar bewerten 41 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage noch als gut. Das sind aber deutlich weniger als im Vorjahresquartal (60 Prozent). Von einer üblichen Frühjahrsbelebung kann deshalb keine Rede sein. Gleichzeitig berichten 39 Prozent der Betriebe von sinkenden Aufträgen,lediglich 20 Prozent verzeichnen einen Anstieg. Auch diese negative Auftragsentwicklung im zweiten Quartal ist ungewöhnlich und verdeutlicht die anhaltende Zurückhaltung am Markt.
Die Auslastung geht damit zurück. Im Durchschnitt sind die Betriebe noch zu 75 Prozent ausgelastet. Der Anteil der Betriebe,die höchstens zu 60 Prozent ausgelastet sind,stieg binnen eines Jahres von 16 auf 26 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil der Betriebe mit einer Auslastung von mehr als 100 Prozent von 15 auf 10 Prozent zurück. Parallel dazu entwickelt sich auch der Umsatz rückläufig: 36 Prozent der Betriebe melden sinkende Umsätze,nur 16 Prozent verzeichnen einen Zuwachs.
Hinzu kommt der anhaltende Kostendruck. 79 Prozent der Betriebe berichten von steigenden Einkaufspreisen. Gleichzeitig gelingt es nur 35 Prozent,diese höheren Kosten über ihre Verkaufspreise weiterzugeben. Das schmälert die wirtschaftlichen Spielräume vieler Betriebe zusätzlich.
Auch der Blick nach vorn bleibt verhalten. Nur 16 Prozent der Betriebe rechnen mit einer besseren Geschäftslage im kommenden Quartal,27 Prozent erwarten dagegen eine Verschlechterung. Besonders pessimistisch fällt der Ausblick im Kfz- und im Nahrungsmittelhandwerk aus.
„Wir wissen nicht,woher die Verantwortungsträger des Staates ihre Geduld mit der Lage nehmen,aber wenn es selbst für den Stabilitätsanker Handwerk Quartal für Quartal enger wird,sollten bei allen die Alarmglocken läuten. Die Politik muss jetzt endlich die Bremsen lösen,Steuererhöhungsdebatten beenden,Sozialversicherungsreformen mit dem Effekt der Lohnnebenkostensenkung auf den Weg bringen und Bürokratieabbau großformatiger denn je anstoßen“,appelliert der Landeshandwerkspräsident.

Die Geschäftslage im baden-württembergischen Handwerk hat sich im zweiten Quartal 2026 deutlich eingetrübt. Nur noch 41 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut – im Vorjahresquartal waren es noch 60 Prozent. Grafik: Handwerk BW
PM Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.