Mehr als 2900 Restaurants, Cafés und Bars sind vergangenes Jahr in die Pleite gerutscht. Der heftige Anstieg der Insolvenzen hat gleich mehrere Gründe – und die Lage soll sich auch nicht bessern.


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Kneipe in Berlin-Charlottenburg mit heruntergelassenen Fensterläden
Foto: Karl Heinz Spremberg / CHROMORANGE / picture alliance
Harte Zeiten für die Gastronomie: Die Insolvenzen in der Branche sind laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen waren im vergangenen Jahr mehr als 2900 Betriebe betroffen. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit trifft es die Branche deutlich härter als die Gesamtwirtschaft (+8,3 Prozent).
In der Zeit von 2020 bis 2025 summierte sich die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie zudem bundesweit auf 11.252. »Pandemie,Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen«,erklärte Patrik-Ludwig Hantzsch,Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. »Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt«,fügte er hinzu. »Zehntausende Restaurants und Lokale mussten seitdem schließen«. Laut Creditreform gaben allein in den Jahren 2024 und 2025 bundesweit rund 24.500 Gaststätten,Restaurants und Lokale auf.
Als Entlastungsmaßnahme für die Branche war zu Jahresbeginn die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie abgesenkt worden. Für viele Unternehmen komme dies »jedoch vermutlich zu spät«,erklärte Hantzsch. »Gleichzeitig verschiebt sich der Konsum immer stärker hin zu Lieferdiensten statt zu klassischen Restaurantbesuchen«,gab er außerdem zu bedenken.
Hantzsch erwartet 2026 eine Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomie. »Besonders kleine,inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-,Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben.« Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte der Wandel sichtbar werden. Die finanzielle Lage vieler Betriebe ist der Analyse zufolge angespannt. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als zehn Prozent. Knapp ein Drittel schreibt Verluste.
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Für die Erhebung wertete Creditreform Umsatzsteuerstatistiken sowie Zahlen zu Insolvenzen und Schließungen aus,die aus der Datenbank der Auskunftei sowie dem Unternehmenspanel des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim stammen.
Wie viel kostet der Besuch in einem Restaurant oder einer Kneipe? Das ist auch eine Frage des Orts. Einer dem SPIEGEL vorliegenden Auswertung zufolge kann im Süden oft günstiger gegessen und getrunken werden als im Norden. Erfahren Sie hier mehr.
sol/dpa/AFP