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Tankstelle in Berlin: Hohe Energiepreise
Foto: Michael Kuenne / ZUMAPRESS.com / picture alliance
Die Forscher des Münchner Ifo-Instituts rechnen mit stärker steigenden Preisen durch den Irankrieg. So dürften die Lebenshaltungskosten 2027 mit 3,0 Prozent höher ausfallen als 2026 mit 2,8 Prozent,wie die Forscher voraussagten.
»Je länger der Krieg im Nahen Osten anhält und die Energiepreise hoch bleiben,desto stärker dürften mittelfristig auch die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel,Dienstleistungen und Waren steigen«,sagte Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault. Grund dafür sei,dass die Unternehmen gestiegene Kosten mit Verzögerung weitergeben dürften.
Die Inflation in Deutschland ist im August wegen teurer Energie bereits wieder stärker gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Noch kräftiger zogen die Verbraucherpreise zuletzt Ende 2023 an. Im Juli war die Teuerungsrate auf 2,8 Prozent geklettert,von 2,3 Prozent im Juni. Größter Preistreiber blieb Energie,die durch den wieder aufgeflammten Nahostkrieg deutlich mehr kostete. Auch Sondereffekte wie das Niedrigwasser am Rhein belasteten viele Verbraucher – etwa in Nordrhein-Westfalen.
Insbesondere Energie erwies sich vor dem Hintergrund des Irankriegs erneut als Preistreiber: Sie verteuerte sich im August um 14,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Europäische Zentralbank peilt bei der Gesamtinflation einen Wert von 2,0 Prozent an.
Trotz dieser Lage könnte es hierzulande zumindest vorübergehend eine leichte Entspannung geben. Im August planten laut den Ifo-Forschern etwas weniger Firmen,ihre Preise zu erhöhen. Das entsprechende Barometer für die Preiserwartungen sank auf 21,2 Punkte,nach 21,6 Zählern im Juli. »Dies deutet auf einen leicht nachlassenden Preisdruck über die nächsten drei Monate hin.«
Die Rohölpreise und vor allem die Marktpreise für Erdgas und Strom sind seit Anfang August allerdings wieder deutlich gestiegen. Zuletzt mehrten sich zudem die Signale,dass sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einer Zinserhöhung gegen den Preisauftrieb stemmen könnten.
Im gesamten Euroraum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen,sagte etwa der österreichische Notenbankchef Martin Kocher: »Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen,halte ich eine weitere Zinserhöhung in naher Zukunft für notwendig.«
Thomas Gitzel,Chefvolkswirt der VP Bank,rechnet bereits damit,dass die EZB ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben wird. »Eine Inflationsrate von über drei Prozent dürften die Währungshüter als Auftrag verstehen«,sagte er. Es sei allerdings auch »zu befürchten,dass die höheren Energiepreise auch zu einem Preisanstieg bei anderen Gütern führen werden«.
Der Ölpreisschock könnte das Preisgefüge nachhaltig durcheinanderwirbeln. Durch die hochgetriebenen Energiekosten besteht für Konsumenten und Firmen zudem die Gefahr,dass es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt und sich die starke Teuerung so festsetzt.
Der nächste Zinsentscheid steht auf einer auswärtigen Sitzung am 10. September in Berlin an. An den Finanzmärkten wird mit einer Erhöhung des zum Steuern der Geldpolitik maßgeblichen Einlagesatzes um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent gerechnet. Die EZB hatte zuletzt eine Zinspause eingelegt,nachdem sie im Juni mit der ersten Erhöhung seit drei Jahren bereits im Kampf gegen die steigende Inflation Flagge gezeigt hatte.
apr/Reuters