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Schwarz-Manager Chrzanowski: »Digitale Souveränität entsteht durch Handeln«
Foto: Bernd Weißbrod / dpa
Eine eigene Reederei (Tailwind) betreibt die Schwarz-Gruppe schon,nun investiert sie – erneut – kräftig in digitale Souveränität: In Mecklenburg-Vorpommern baut das für seine Handelsketten Lidl und Kaufland bekannte Unternehmen ein Großrechenzentrum. 5,6 Milliarden Euro will der Konzern in das Projekt in Dummerstorf bei Rostock stecken.
Das Datacenter soll über eine Kapazität von 240 Megawatt bis 2033 verfügen,teilte das Unternehmen mit. Bis 2045 könne diese auf ein Gigawatt ausgebaut werden,kündigte das Unternehmen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an.
»Digitale Souveränität entsteht nicht durch Appelle oder Reden. Sie entsteht durch Handeln,durch verlässliche Infrastruktur und durch praxistaugliche Anwendungen«,sagte der Chef der Schwarz-Gruppe,Gerd Chrzanowski. In Brandenburg baut Schwarz bereits ein ähnlich großes Rechenzentrum. Die Investitionskosten belaufen sich da auf elf Milliarden Euro.
Ziel der Landesregierung sei es,Deutschland unabhängiger von ausländischen Anbietern zu machen,sagte Schwesig. Sie dürfte allerdings auch darauf hoffen,von der Ankündigung der Milliardeninvestition politisch zu profitieren.
Den Standort begründet die Schwarz-Gruppe insbesondere mit Zugang zu kostengünstiger grüner Windenergie,die in Mecklenburg-Vorpommern produziert wird. Die Windkraft ist bei vielen Bürgern des nordostdeutschen Bundeslandes allerdings unbeliebt. Schwesig allerdings betont,durch sie könne im Land Strom für gerade mal fünf Cent pro Kilowattstunde produziert werden. Sie forderte die Energieproduzenten aber auch auf,die günstigen Erzeugerpreise an die Unternehmen und Verbraucher im Land weiterzugeben. Kommunen und Bürger der Orte,in denen große Windkraftanlagen stehen,sollten zudem an den Gewinnen beteiligt werden.
Digitale Souveränität bedeutet,dass Firmen und Staaten selbst bestimmen,wo ihre Daten gespeichert sind und wer darauf zugreifen kann – unabhängig von US-amerikanischen oder chinesischen Technologiekonzernen. Schwarz will sich als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure aufstellen. Das Unternehmen traut sich zu,zum Hyperscaler zu werden. So nennt man Cloudanbieter,die weltweit viele Server betreiben,um ihren Kunden in großem Umfang Speicher für Daten,Rechenleistung für Programme,KI und weitere Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.
In Dummerstorf sollen die Kapazitäten zunächst einmal für den Bedarf der Schwarz-Gruppe selbst genutzt werden – also für Daten aus Liefer- und Bestellprozessen,Bezahlvorgängen und Kundenbindungsprogrammen. Gleichzeitig »würde das Rechenzentrum die weitere Entwicklung und Skalierung souveräner IT-Lösungen stärken«.
Obwohl Rechenzentren für die Digitalisierung der Wirtschaft wichtig sind,ist ihr Aufbau umstritten. In den USA gibt es etwa Konflikte wegen des Lärms und des großen Strom- und Wasserverbrauchs,aber auch in Hessen gab es zuletzt Widerstand,der ein geplantes Rechenzentrum ausgebremst hat. Bei der Anlage bei Rostock angedacht ist auch eine Nutzung der Abwärme für die Wärmeversorgung der Hansestadt. Mit den Stadtwerken sei eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden.
Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr machte Digits einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro,ein Wachstum auf Jahressicht von 16 Prozent. Das Plus ging demzufolge wesentlich auf die wachsende Nachfrage nach Cloudlösungen zurück. Schwarz Digits ist insgesamt eine von fünf Sparten der Gruppe,die zuletzt einen Gesamtumsatz von 185,6 Milliarden Euro auswies. Den größten Anteil haben nach wie vor Lidl und Kaufland.
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apr/dpa/Reuters