

Bild vergrößern
Leere Stühle im Biergarten: Immer mehr Betreibe schließen
Foto: Uwe Anspach / dpa / picture alliance
187.744 Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgegeben und damit so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Verglichen mit dem Vorjahr erhöhte sich die Zahl um knapp zehn Prozent,wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in ihrer jährlichen gemeinsamen Analyse feststellen.
Die Zahlen der Vorjahre wurden auf erweiterter Basis neu berechnet. Mehr Unternehmensschließungen bundesweit verzeichnete die Zeitreihe zuletzt im Jahr 2007 mit fast 208.000. 2025 gab es den zweiten Anstieg in Folge.
»Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft«,sagt der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung,Patrik-Ludwig Hantzsch. »Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit.«
Im Gesundheitswesen setzte sich die seit etwa zehn Jahren zu beobachtende Negativentwicklung fort: Die Zahl der Schließungen in diesem Bereich ist mit knapp 11.000 mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Allein knapp 5500 Arztpraxen und damit fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2024 schlossen im vergangenen Jahr – häufig,weil Ärztinnen und Ärzte den Ruhestand antreten und niemanden finden,der ihre Praxis fortführt.
In der Industrie traf es etwa 11.000 Betriebe und damit zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist. Creditreform-Experte Hantzsch hatte jüngst mit Blick auf steigende Insolvenzzahlen von einer »Krisenzange« gesprochen,die die deutsche Wirtschaft »von zwei Seiten packt und schädigt«: einerseits geopolitische Verwerfungen wie der Irankrieg oder die US-Zölle,andererseits hohe Energiepreise und viel Bürokratie im Inland.
»Immer mehr Betriebe schließen,weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen – deutlich mehr als noch vor 10 oder 15 Jahren«,erläutert Gottschalk.
esk/dpa