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Starbucks-Café in Seoul
Foto: Kim Hong-Ji / REUTERS
Der Geschäftsführer von Starbucks in Südkorea ist entlassen worden. Hintergrund ist eine verunglückte Werbekampagne der Kaffeekette,nur Stunden nach ihrem Start verkündete die Shinsegae Group die Entlassung von Sohn Jeong-hyun.
Am Montag bewarb Starbucks in Südkorea eine Serie von Bechern,die den Namen »Tank« tragen,englisch für »Panzer«. Das Problem: Am ausgerufenen »Tank Day« wird in Südkorea offiziell der Tag der demokratischen Bewegung begangen.
Anlass ist der von Studierenden angeführte Bürgeraufstand von Gwangju Anfang der Achtzigerjahre. Nur Wochen nach dem Putsch entsandte die Militärdiktatur damals Truppen und Panzer,um die Proteste niederzuschlagen. Das Militär tötete am 18. Mai 1980 viele Menschen,Berichten zufolge soll es Hunderte Todesopfer gegeben haben.
Der damalige Diktator,Chun Doo-hwan,war bis 1988 an der Macht. Ein Gericht verhängte später die Todesstrafe gegen ihn,er wird auch als »Schlächter von Gwangju« bezeichnet. Das Urteil wurde jedoch zunächst zu lebenslanger Haft abgeschwächt,1997 begnadigte ihn dann der damalige Präsident Kim Young-sam. 2021 starb Chun,der eine höchst umstrittene Figur blieb.
Das Trauma von Gwangju prägt die südkoreanische Gesellschaft bis heute. Deswegen sahen viele Menschen in der Werbekampagne von Starbucks eine Replik auf die damaligen Militärverbrechen. Das bemerkte offenbar auch die Konzernspitze und stoppte die Werbung nur Stunden nach ihrem Start.
Offenkundig zu spät. Denn längst hatte die Empörungswelle die höchsten Ebenen erreicht: Die Kampagne beleidige die Opfer und den blutigen Freiheitskampf der Einwohner von Gwangju,schreibt Präsident Lee Jae-myung bei X. »Was um alles in der Welt haben sie sich dabei gedacht,wo sie doch wissen,wie viele Menschen an jenem Tag ihr Leben verloren?«
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Die Shinsegae Group,die die Starbucks-Lizenz für Südkorea hält,entschuldigte sich für »unangebrachtes Marketing« und machte offenbar den Chef persönlich dafür verantwortlich.
Sogar der Konzern in den USA räumte ein,dass der Vorfall,wenn auch unbeabsichtigt,niemals hätte passieren dürfen. »Wir sind uns des tiefen Schmerzes und der Empörung bewusst«,zitiert die BBC eine Konzernmitteilung.
hba/Reuters